Wiener Wasser: Eine Reise aus den Alpen bis in Ihr Zuhause

Autor
MMag. Romana Hoffmann, Kommunikation & Marketing
Kategorien
Wissenswertes
Veröffentlicht am 11. August 2026
Aquädukt Mödling/Niederösterreich

Wer in Wien ein Glas Wasser aus dem Wasserhahn trinkt, hält ein Stück Alpenregion in der Hand. Während viele Großstädte ihr Trinkwasser aufwendig aufbereiten müssen, fließt das Wiener Wasser größtenteils direkt aus den niederösterreichischen und steirischen Alpen in die Stadt. Der Weg dorthin ist allerdings beeindruckend lang, technisch ausgeklügelt und hat eine Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Eine Vision aus dem 19. Jahrhundert
Mitte des 19. Jahrhunderts stand Wien vor einem Problem: Die rasch wachsende Stadt benötigte dringend sauberes Trinkwasser. Die Lösung war damals ebenso mutig wie revolutionär. Man beschloss, frisches Quellwasser direkt aus den Alpen nach Wien zu leiten. 1873 ging die Erste Wiener Hochquellenleitung in Betrieb. Sie bringt Wasser aus dem Rax- und Schneeberggebiet nach Wien. Wenige Jahrzehnte später folgte die Zweite Hochquellenleitung aus dem Hochschwabgebiet in der Steiermark. Bis heute bilden diese beiden Leitungen das Rückgrat der Wiener Wasserversorgung.

Besonders beeindruckend: Das Wasser fließt nahezu die gesamte Strecke ohne Pumpen allein durch das natürliche Gefälle der Landschaft. Damit nutzt Wien seit über 150 Jahren ein System, das nachhaltig, energieeffizient und erstaunlich zuverlässig ist.

Der lange Weg aus den Bergen
Das Wiener Trinkwasser stammt aus rund 70 Quellfassungen in den Alpen. Dort sammelt sich das Niederschlagswasser über Jahre hinweg im Gebirge, wird durch natürliche Gesteinsschichten gefiltert und tritt schließlich als kristallklares Quellwasser wieder aus.

Von den Quellen gelangt das Wasser durch die Hochquellenleitungen Richtung Wien. Es passiert dabei Tunnel, Stollen und mehr als 130 Aquädukte, die teils selbst bedeutende technische Denkmäler sind. Die berühmten Steinbauten in Baden, Mödling oder Wildalpen erinnern noch heute an die Ingenieurskunst jener Zeit.

Was passiert, bevor das Wasser aus dem Hahn kommt?
Bevor das Wasser in den Wiener Haushalten ankommt, wird es in insgesamt 31 Wasserbehältern gespeichert. Diese riesigen Reservoirs dienen als Sicherheitsreserve und gleichen Verbrauchsschwankungen aus. Gemeinsam können sie heute Wasser für mehrere Tage speichern.

Von dort gelangt das Wasser in das rund 3.000 Kilometer lange Wiener Rohrnetz. Etwa 100.000 Gebäude sind daran angeschlossen. Auch hier spielt die Schwerkraft eine entscheidende Rolle: Rund 95 Prozent des Wiener Wassers erreichen die Verbraucher ohne zusätzlichen Energieaufwand. Nur in höher gelegenen Stadtteilen kommen Pumpwerke zum Einsatz.

Wenn Sie also in Favoriten, Döbling oder Floridsdorf den Wasserhahn öffnen, hat das Wasser bereits eine Reise von oft mehr als 100 Kilometern hinter sich und dabei Berge, Täler, Aquädukte, Speicheranlagen und kilometerlange Leitungen durchquert.

Wien baut für die Zukunft
Die Wiener Wasserversorgung gilt als eine der besten Europas. Doch auch sie muss sich auf die Zukunft vorbereiten. Wien wächst, Hitzewellen werden häufiger und der Wasserverbrauch steigt an besonders heißen Tagen deutlich an. An Spitzentagen werden bis zu 600 Millionen Liter Wasser benötigt. Deshalb investiert die Stadt massiv in ihre Infrastruktur. Derzeit entstehen unter anderem eine neue Hauptwasserleitung, ein erweitertes Wasserwerk auf der Donauinsel und zusätzliche Speicherkapazitäten in Neusiedl am Steinfeld. Dort wächst einer der größten geschlossenen Trinkwasserspeicher der Welt heran.

Wasser ist wertvoller, als wir oft denken
Gerade in Zeiten zunehmender Hitze und längerer Trockenperioden wird deutlich, wie kostbar sauberes Trinkwasser ist. Dass in Wien jederzeit hochwertiges Quellwasser verfügbar ist, erscheint selbstverständlich. Tatsächlich steckt dahinter ein gewaltiges System aus Quellen, Schutzgebieten, Leitungen, Speichern und laufenden Investitionen!

Vielleicht lohnt es sich daher, beim nächsten Glas Leitungswasser kurz an seinen Weg aus den Alpen zu denken. Und daran, dass jede eingesparte Minute unter der Dusche, jeder bewusst gefüllte Wasserkrug und jeder sorgsame Umgang mit Wasser dazu beitragen kann, diese wertvolle Ressource auch für kommende Generationen zu bewahren.

Denn eines der besten Trinkwasser der Welt sollte man nicht nur genießen, sondern auch schätzen. 💧

Kurz zusammengefasst
Wien wird überwiegend durch Quellwasser aus den niederösterreichischen und steirischen Alpen versorgt. Über die historischen Hochquellenleitungen, 31 Wasserbehälter und ein rund 3.000 Kilometer langes Rohrnetz gelangt das Wasser größtenteils allein durch Schwerkraft in die Haushalte. Um die Versorgung auch in Zeiten von Klimawandel und Bevölkerungswachstum sicherzustellen, investiert die Stadt laufend in neue Leitungen, Wasserwerke und Speicheranlagen.

Mehr Infos finden Sie hier: Wasserversorgung in Wien, Infos der Stadt Wien oder aktueller Artikel vom ORF: Neue Wege für das Wiener Wasser

Foto: Mödling Aquädukt (c) Mö1997, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons