Chancen trotz historischem Tiefstand am Wiener Wohnungsmarkt

Autor
Victoria Reichard, MSc, Geschäftsführung ViennaEstate Asset Management GmbH
Kategorien
ImmobilienWirtschaft
Veröffentlicht am 19. Februar 2026
Symbolfoto Sanierung

Die Zahlen sind alarmierend, denn der Wiener Wohnbau erreicht einen historischen Tiefstand. Wo vor wenigen Jahren noch reges Treiben auf den Baustellen herrschte, zeigt der „Erste Wiener Wohnungsmarktbericht 2026“ von BUWOG und EHL für 2026 eine drastische Trendwende. Die Baubewilligungen sind von 21.400 im Jahr 2019 auf nur noch 5.772 im Vorjahr zurückgegangen. Das bedeutet: Der Nachschub an neuem Wohnraum ist faktisch eingebrochen.

Die Auswirkungen spüren wir jetzt mit voller Härte.

In diesem Jahr werden voraussichtlich nur noch 8.630 Wohnungen fertiggestellt – das sind gerade einmal 60 Prozent(!) des Volumens von 2023. Für das nächste Jahr wird ein weiterer Rückgang auf 6.911 Wohnungen prognostiziert. Der sogenannte Produktionsüberhang aus den Boomjahren bis 2022 ist längst aufgebraucht. Es gibt so gut wie keine Wohnraumreserven mehr, während die Nachfrage in der wachsenden Metropole ungebrochen stark bleibt.

Besonders prekär ist die Lage im Mietsegment

Von den heuer fertiggestellten Einheiten werden lediglich etwas mehr als 2.000 Mietwohnungen auf den Markt kommen. Doch wer glaubt, in den Bereich Eigentum ausweichen zu können, wird enttäuscht: Im Gegensatz zu den Vorjahren wird es heuer auch bei Eigentumswohnungen zu massiven Verknappungen kommen. Dieser Mangel spiegelt sich unweigerlich in den Preisen wider. Experten erwarten bei den Mieten Steigerungen von sieben bis acht Prozent, während Wohneigentum um etwa drei Prozent teurer werden dürfte. Da Wien bis 2040 voraussichtlich auf 2,2 Millionen Einwohner anwächst, klafft eine Lücke von rund 100.000 benötigten Wohnungen, die mit dem aktuellen Bautempo kaum zu schließen ist.

Kompromisse werden zum Standard

Wohnungssuchende müssen heute deutlich schneller entscheiden und öfter Kompromisse eingehen. Gefragt sind zunehmend kompaktere, flächeneffiziente Grundrisse, um die Leistbarkeit überhaupt noch zu gewährleisten. Oft reicht schon eine solide Öffi-Anbindung, um ein Objekt attraktiv zu machen, da die Auswahl schlichtweg fehlt.

Fazit: Die Chance in der Sanierung nutzen

In einem Markt, in dem der Neubau zur Mangelware wird, eröffnet sich eine interessante Nische: Unsanierte Wohnungen im Bestand. Sanierungsbedürftige Einheiten könnten der verbleibende Weg zum Eigenheim sein, während der Markt für "schlüsselfertige" Träume stagniert. Wer bereit ist, Zeit und Planung in die thermische oder optische Erneuerung zu investieren, schafft sich nicht nur eigenen Wohnraum, sondern hebt aktiv Werte in einer Stadt, in der freier Wohnraum zum kostbarsten Gut geworden ist. In Zeiten des Neubau-Tiefs ist die Altwohnung vielleicht die klügste Investition in die Zukunft.